Geschichte und Besuch

Besichtigung

Von Montag bis Freitag von 7.00 bis 12.00 Uhr und von 13.30 bis 17.00 Uhr ist das Rathaus am Marktplatz 9 frei zugänglich.

Führungen

Das Rathaus kann unter kundiger Führung besichtigt werden. Anmelden können Sie sich hierfür bei Basel Tourismus. Für sehbehinderte und blinde Menschen werden spezielle Führungen angeboten.

Die Ratssitzungen sind öffentlich

Die Sitzungen des Grossen Rates sind, anders als jene der Regierung, öffentlich. Für Einzelpersonen ist keine Anmeldung nötig, bei grossen Guppen bitten wir um eine vorgängige Information. Tel: 061 267 85 71. Auf die Zuschauertribüne gelangen Sie, wenn Sie vom Rathaushof aus rechts die Aussentreppe hinaufgehen. Dann erste Türe und von dort in den 2. Stock.

Buch: Das Rathaus in Basel

Das Basler Rathaus ist ein grossartiges Bauwerk, das trotz einschneidender Veränderungen im politischen System seine Bedeutung im Zentrum des Gemeinwesens nie einbüsste, sondern den jeweiligen Erfordernissen und ästhetischen Vorstellungen entsprechend immer wieder verändert und erweitert wurde. Dabei zollten alle Generationen den Leistungen ihrer Vorfahren Respekt. Die repräsentative Architektur, die Inhalte der farbenprächtigen Wandgemälde und Skulpturen und die handwerklich wie künstlerisch hochstehende Innenausstattung aus Spätgotik, Renaissance und Neuzeit machen das Rathaus zu einem mannigfaltigen und doch als Einheit wirkendem Baudenkmal ersten Ranges und zu einem Wahrzeichen der Stadt Basel.

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Baudaten

1504 – 1514: Neubau des Rathauses (heute bestehendes Vorderhaus mit Arkaden am Marktplatz)

1521: Einbau des Grossratssaales im alten Hinterhaus

1535 – 1536: Neubau der Hinteren Kanzlei (ehemaliges Hinterhaus links vom Grossratssaal, heute teilweise erhalten)

1606 – 1608: Neubau der Vorderen Kanzlei (heute bestehender linker Anbau an das Rathaus)

1824 – 1828: Umbau des Grossratssaales im Hinterhaus (abgebrochen 1901)

1899 – 1901: Erweiterungsbauten am Marktplatz: neuer Flügel links und Turm rechts

1901 – 1904: Neubau des Grossratssaales mit Nebenräumen

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Baugeschichte

Basel trat 1501 der Eidgenossenschaft bei. Diesem politisch entscheidenden Schritt wollte die Stadt sichtbaren Ausdruck verleihen. Der Grosse Rat beschloss 1503, das alte Rathaus durch ein repräsentativeres Gebäude zu ersetzen, das der neuen Bedeutung der Stadt gemäss war. Er ordnete an, bei der Ausführung keine Kosten zu scheuen. So wurde 1504 - 1514 ein neues Rathaus sowie ein Verbindungsbau zum Hinterhaus errichtet. Dieser älteste Teil  besteht aus drei Spitzbogen-Arkaden, über denen sich der reich geschmückte Regierungsratssaal befindet. Das ältere Hinterhaus wurde 1517 - 1521 aufgestockt – so entstand der frühere Grossratssaal. Hans Holbein d.J. wurde 1521 mit der Bemalung des Grossratssaales beauftragt. 1535/36 wurde ein Neubau für die Kanzlei errichtet. Diese ehemalige Hintere Kanzlei links vom Grossratssaal ist heute teilweise erhalten.

Links neben den Arkaden wurde 1606 - 1608 die vordere Kanzlei  angefügt. Trotz der Erweiterung sollte die Fassade möglichst einheitlich wirken. Deshalb wurden die spätgotischen Formelemente des hundert Jahre älteren Rathauses genau aufgenommen. Auch malerisch wurde die Vorderfront des Rathauses (mit einer Scheinarchitektur) zu einer Einheit zusammengefügt.

Mit dem Wachstum der Stadt gegen Ende des 19. Jahrhunderts und der Schaffung der neuen Kantonsverfassung 1875 wurde wiederum eine Erweiterung der Verwaltungsräumlichkeiten notwendig. So kamen 1899 - 1901 der Turm und der breite Blockbau auf der linken Seite dazu. Auch der Grossratssaal mit Nebenräumen wurde 1901 - 1904 neu gebaut. Der alte Saal aus dem 16. Jahrhundert wurde abgebrochen, als man 1899 - 1904 das Rathaus im Stil von Neugotik und Neurenaissance umbaute und erweiterte.

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Skulpturen und Gemälde

Die im Ratshaushof neben der Treppe zum Grossratssaal stehende Skulptur des Munatius Plancus, des römischen Gründers von Augusta Raurica, ist die dominanteste des Rathauses. 1580 schenkte der Bildhauer Hans Michel der Stadt Basel die überlebensgrosse Sandsteinfigur aus Dankbarkeit für die unentgeltliche Aufnahme ins Basler Bürgerrecht. Immer wieder dargestellt werden auch die Stadtheiligen Kaiser Heinrich II. und seine Frau Kunigunde, so z. B. bei der 1511 geschaffenen Uhr der Marktplatzfassade.

Die Gemälde am und im Rathaus haben zwei Grundthemen: Auf das Thema Rechtsprechung und Gesetzgebung weisen die Ölgemälde von Hans Bock an den seitlichen Wänden unter den Arkaden: ‚Josaphat ermahnt die Richter’ und ‚Herodes vor Hyrcanus’ (beide 1608/09) sowie das ‚Jüngste Gericht’ oben an der Ratstreppe hin.

Das zweite Grundthema bildet Basel und seine Aufnahme in die Eidgenossenschaft 1501. Die Wappen der Schweizer Orte (Kantone) und der Zugewandten auf den Zinnen – 1504/14 entstanden – und legendäre Gestalten aus der Geschichte auf der Aussenfassade des Rathauses, verweisen auf dieses Generalthema der Ausschmückung. Es setzt sich fort in der Innenhoffassade des Hinterhauses. Hier sieht man die Gesandten der Eidgenossenschaft in Basel Einzug halten. Der darüber dargestellte Stadtheilige, Kaiser Heinrich II., weist darauf hin, dass dies am Heinrichstag (13. Juli) geschah. Diese monumentalen Wandgemälde von Hans Bock stammen aus dem Jahr 1608 und wurden bei den Renovierungen mehrmals ziemlich getreu übermalt.

Die Rathausfassade zum Marktplatz hin zeigt ein Relieffries kindlicher Krieger links; Siegesengel, welche die Basler Schilde mit Lorbeer bekränzen, über den Arkadenbögen; eine Justitia auf der Höhe der vorderen Ratsstube als Erinnerung an die Gerichtsfunktion des Kleinen Rates; Hellebardenträger mit Basler Schilden und friedliche Bürger, Bürgerinnen und Bürgerskinder auf dem Scheinbalkon vor dem obersten Geschoss. Als Wilhelm Balmer und Franz Baur 1901 gemäss Bock die Fassade neu bemalten, setzten sie unter den Kinderfries statt des Wächters, der an die alte Wachstube erinnerte, eine Frau mit Spinnrocken, die 1501 beim Einzug der Eidgenossen den Torwächter ersetzte. Dies sollte zeigen, wie sicher sich Basel nun durch den Bundeseid gegenüber seinen österreichischen Nachbarn fühlte. Am Verkündigungsbalkon des Turms ist die Inschrift „Hie Schweiz Grund und Boden“ zu lesen. Mit diesen Worten wurden 1501 die eidgenössischen Boten an der Stadtgrenze feierlich empfangen, bevor man sie zum Eidschwur in die Stadt begleitete.

An der Südmauer des Turms, sehr gut sichtbar aus der Freien Strasse, wurde 1901 der Basler Bannerträger Hans Bär dargestellt, der 1515 in der Schlacht von Marignano fiel. Ansonsten fehlen die damals üblichen Schlachtgemälde im Bildprogramm des Basler Rathauses. Auch im Innern des Grossratssaals (nur mit Führung oder bei öffentlichen Grossratssitzungen zu besichtigen) dominiert das Grundthema; der Einzug der Eidgenossen auf der Saalbaufront bildet den Auftakt zur dreiteiligen, auf Schrifttafeln erklärten Darstellung der Aufnahme Basels in die Eidgenossenschaft an der Stirnwand des Saales. Das Thema gipfelt im Eidschwurbild über dem Stuhl des Grossratspräsidenten. Auf der gegenüberliegenden Eingangswand ergänzen szenische Darstellungen von Handel und Wissenschaft und ein historisches Ereignisbild (der Amtsantritt des Rektors bei der Wiedereröffnung der Universität nach der Reformation) das Bildprogramm.

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